Zwischen Ginkgo, Gauß und Goethe

Natur und Technik, Kunst und Wissenschaft – diese scheinbaren Gegensätze hat Helmut Fischer in seiner Lebensanschauung vereint. Im Fischer-Museum am Hauptsitz in Sindelfingen können Besucher sein Lebenswerk, unsere Geschichte und unsere Werte erleben.

Hemut Fischer Museum

Der Raum ist lichtdurchflutet. Die Sonne spielt auf den gläsernen Vitrinen und verfängt sich in den aufgehängten Installationen wie in den Blättern der Bäume. Betritt man das Helmut Fischer Museum, so hat man das Gefühl, den Garten draußen vor dem Fenster gar nicht verlassen zu haben: Naturtöne und Vogelgezwitscher empfangen die Besucher.

Von Chaos zu Ordnung

Diese Naturnähe scheint für ein Technikmuseum recht ungewöhnlich. In der Biologie ist vieles chaotisch: Jedes Blatt des Baumes Ginkgo hat eine eigene Form, kein Vogelei ist genauso groß wie ein anderes. Die Technik aber strebt immer höchste Ordnung an, jede Schraube sollte exakt wie die andere aussehen, jedes Gerät die gleichen Ergebnisse liefern.

Trotzdem hat der begeisterte Hobby-Botaniker Helmut Fischer in der Natur immer Inspiration für seine Arbeit gefunden. Egal ob das Gewicht eines Samens oder die Lackschichtdicke – es gibt immer Schwankungen und ein einzelner Messpunkt kann die Realität nicht vollständig abbilden. Erst mithilfe der Statistik werden die Messwerte zu einem Abbild des großen Ganzen.

Die Grundlagen für die moderne Statistik schaffte der Mathematiker Carl Friedrich Gauß. Er beschrieb die Normalverteilung, die bis heute in Wissenschaft und Technik verwendet wird. Das Studium der Werke von Gauß prägte Fischer nachhaltig. Bereits seit 1984 sind Fischer-Geräte mit leistungsstarker Analysesoftware ausgestattet, damit aus einfachen Messwerten ein zuverlässiges und richtiges Ergebnis wird.

Die Exponate führen die Besucher chronologisch durch die Unternehmensgeschichte. Das älteste Gerät im Museum trägt die Seriennummer 01 und stammt aus dem Jahr 1953

Von Improvisation zu Perfektion

Einer, der Fischer ermutigt hat, sich mit den Werken von Gauß zu beschäftigen und ihn ebenso geprägt hat, war sein Physiklehrer Schuhmann. Zusammen haben sie 1953 die erste Firma in Stuttgart gegründet. Der 22-jährige Fischer erkannte rasch die Bedürfnisse der aufstrebenden Nachkriegsindustrie. Er entwickelte ein Gerät, mit dem man Lack- und Chromschichten messen konnte – das Permaskop – und so gehörten Bosch und Daimler zu den ersten Kunden von Fischer. 

Im Nachkriegsdeutschland waren viele Materialien schwer zu finden – da war Improvisationsgabe gefragt. Aus einem Nagel baute Helmut Fischer einen Sensor, der bereits Schichtdicken unter 5 µm messen konnte. Seine Courage wurde belohnt:  Bereits 1954 konnte die Firma einen Umsatz von 40 000 DM verzeichnen.

Damals wie heute hat die Qualität höchste Priorität. Jedes Gerät wurde einzeln kalibriert: Dutzende Standards wurden ausgemessen und der entsprechende Wert mit Tusche auf dem Ziffernblatt markiert. So entstand für jedes Gerät eine individuelle Skala, die so präzise war wie eine moderne Kalibrierkurve. Helmut Fischer und das erste Röntgenfluoreszenz-Gerät. 1983 revolutionierte das Unternehmen mit diesen Instrumenten die Schichtdickenmessung

Von Gestern ins Morgen

Helmut Fischer war es wichtig, Geräte zu bauen, die Jahrzehnte überdauern und genauso von Bestand soll auch das Unternehmen selbst sein. Nach fünf Jahrzehnten Unternehmensgeschichte hat er seine Firmenanteile in eine Stiftung überführt. Die Helmut Fischer Stiftung sichert den zweckgebundenen und gemeinnützigen Fortbestand seiner Arbeit.

 

"Die Helmut Fischer Stiftung ist zum einen die Vollendung eines Lebenswerkes, vielmehr aber eine Gabe an kommende Generationen. Helmut Fischer, Gründer der Helmut Fischer GmbH"

 

So vielseitig wie die Person Helmut Fischer ist, so ist auch die  Stiftung: Neben der Förderung von Professuren steht auch die Unterstützung der Kultur im Vordergrund. Denn Helmut ­Fischer ist auch ein begeisterter Literatursammler. 2009 hat er dem Deutschen Museum in München seine mit großer Fachkenntnis aufgebaute Sammlung historischer Bücher übereignet. Neben Originalausgaben der Werke von Newton und Einstein umfassen die 5000 Bände auch eine Kollektion von künstlerisch illustrierten Ausgaben von Goethes Faust. 

Eines der wichtigsten Ziele der Helmut Fischer Stiftung ist aber die Nachwuchsförderung. Deswegen sind interessierte junge Forscher und Schüler immer willkommene Gäste im Helmut ­Fischer Museum am Stammsitz in Sindelfingen.

Die Zukunft gehört den automatisierten Mess­systemen. Roboter­gestützt kann die präzise Messtechnik von Fischer helfen, die Beschichtung zu verbessern und dabei Materialkosten zu sparen

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